11. Februar 2006 | Tagesspiegel — Der Kinderspiegel
Das wilde Huhn
Von Christine Berger

Lucie Hollmann ist 12 Jahre alt und spielt in einem Kinofilm die Hauptrolle

Frieda hat zwei Brüder, lebt mit ihren Eltern in einem Haus am Stadtrand und muss ständig auf ihren kleinen Bruder aufpassen. Lucie hat nur einen Bruder, lebt mit ihren Eltern in einer Altbauwohnung mitten in Berlin. Lucie und Frieda kennen sich gut, der Witz ist nur: Frieda gibt es nicht wirklich. Sie ist eine Romanfigur, erfunden von der Autorin Cornelia Funke. Die hat das Buch "Die wilden Hühner" geschrieben, das im vergangenen Jahr verfilmt wurde. Das Buch handelt von fünf Mädchen: Sprotte, Melanie, Trude, Wilma und eben Frieda. Sie schließen sich zu einer Clique zusammen und nennen sich "Die wilden Hühner" und die Mädchen lieben die Viecher.

Lucie spielt in dem Film die Rolle der Frieda. "Wir haben drei Monate für den Film gebraucht" erzählt die Berlinerin mit den langen aschblonden Haaren. Sogar schulfrei hat sich dafür bekommen, "und wir haben die ganze Zeit im Hotel gewohnt." Das fand Lucie richtig gut. Gedreht wurde der Film nämlich nicht in Berlin, sondern in der Nähe von Düsseldorf. Jeden Morgen wurden die Kinder, die in dem Film mitspielen, von Fahrern zum Drehort gefahren. "Erst mussten wir in die Maske und dann ging's los", erinnert sich Lucie. Die Maske ist der Ort, wo die Schauspieler geschminkt werden, damit sie vor der Kamera so aussehen, wie sich die Regisseurin das vorstellt. "Am schönsten war, dass wir soviel auf dem Land waren." Lucie liebt die Natur und würde auch am liebsten am Wald wohnen anstatt im Häusermeer.

Eigentlich hat Lucie ihre Rolle dem Tagesspiegel zu verdanken. "Vor einem Jahr wurde dort eine Schauspielschule für Kinder vorgestellt." Lucie hat sich gleich dort angemeldet. Seitdem geht sie einmal in der Woche zum Schauspieltraining. "Wir machen Konzentrationsübungen und proben, verschiedene Stimmungen darzustellen". Die der Schule angeschlossene Agentur hat sie dann zum Casting des "Wilde Hühner"-Films geschickt. Das ist ein Termin, wo die Schauspieler für einen Film ausgewählt werden. Lucie hatte Glück und landete in der Endauswahl. Auch deshalb, weil ihre Eltern und die Schule mitspielten. "Wenn die Schule nicht erlaubt, dass du mal ein paar Wochen fehlst, geht das gar nicht. " Lucies Gymnasium hatte nichts dagegen. "Aber ich musste natürlich alles nachholen." Zwei Wochen hat sie in den Herbstferien dafür gebüffelt: Ihr letztes Zeugnis war prima, fast nur Einsen und Zweien.

Gedreht wurde im vergangenen Sommer, als es richtig heiß war. "Neben dem Hotel war ein Freibad, da sind wir fast jeden Tag hingegangen" erzählt Lucie. sie und die anderen Mädchen und Jungen , die in dem Film mitspielen, sind gute Freunde geworden. Lucie möchte auf jeden Fall wieder mal in einem Film mitspielen. "Bald wird der zweite Teil von "Die wilden Hühner" gedreht", weiß sie schon...